Aus Scheiße Gold machen

Trockentrenntoiletten und Stoffkreisläufe

In der westlichen Welt des 21. Jahrhunderts ist Kreislaufwirtschaft ein noch eher neues und unausgeschöpftes Phänomen. Dies trifft insbesondere auf unsere Verwendung und Einschätzung der eigenen Fäkalien zu. In Zeiten, in denen der „Peak Phosphor“ immer näher rückt, ist es nach wie vor üblich Ausscheidungen mit kostbarem Trinkwasser runterzuspülen und die enthaltenen Rohstoffe so teilweise dem Nahrungsmittelproduktionskreislauf zu entziehen.

Peak Phosphor (Erreichen des Fördermaximums) steht bevor (Dana Cordell & Stuart White, University of Technology, Sydney, 2011)

Neben enormen Kosten angesichts des voranschreitenden Klimawandels kann dies auch fatale Folgen auf empfindliche ökologische Gleichgewichte in der Natur haben. Es finden hohe Nährstoffeinträge in unsere Gewässer, wie beispielsweise die Ostsee statt. Dabei verliert die Menschheit nicht nur wertvolle Nährstoffe für die Nahrungsmittelproduktion, sondern es entstehen dort sogenannte “tote Zonen”. Diese sauerstoffarmen Gebiete führen zu einem großen Verlust von Lebensräumen und der Biodiversität.

Sauerstoffarme Zonen (grün) in der Ostsee (Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, 2004)

Neben ökologischen Gründen sprechen folglich auch ökonomische Argumente für ein Umdenken im Umgang mit unseren Ausscheidungen.

Ein nachhaltigeres und vielversprechendes Modell stellt diesbezüglich die Komposttoilette dar. Nicht nur wegen des nahezu vollständigen Verzichts auf Wassernutzung bietet dieses Modell zahlreiche Vorteile. Bei Komposttoiletten wird der Urin und die Fäzes unter dem Toilettensitz in separaten Behältern aufgefangen. Durch die Trennung beider Ausscheidungsprodukte und dem Hinzufügen von Stroh oder ähnlichen Materialien kann unangenehme Geruchsbildung vermieden werden. Anschließend kann der Urin durch Lagerung und der Kot durch Heißkompostierung hygienisiert werden. “Das flüssige Gold” kann folglich verdünnt als Dünger verwendet, während die Feststoffe in weiterer Verarbeitung beispielsweise als Terra Preta Substrat in den Boden eingearbeitet werden können. So lassen sich wichtige Pflanzennährstoffe wie Phosphor oder Stickstoff recyceln. Damit kann die Nutzung von konventionellem Dünger reduziert werden und eine kleine Form der Kreislaufwirtschaft kann im eigenen Garten etabliert werden.

Die deutsche Gesetzgebung ist hier leider nicht auf der Höhe der Zeit und hinkt mit passenden Regelungen hinterher. Gärtner, die bereits Komposttoiletten verwenden, orientieren sich bisher an der nicht dafür ausgelegten Klärschlammverordnung. Für die Verwendung dieser und des Fäkalkomposts gibt bis jetzt keine gesetzlichen Regelungen. Des Weiteren gelten für die Aufstellung von Trockentrenntoiletten in jedem Bundesland andere Bestimmungen.

Nichtsdestotrotz erfreuen sich Komposttoiletten immer größerer Beliebtheit und sind immer öfter an immer mehr Orten anzufinden.

Wenn man sich nicht selbst die Mühe machen will, eine solche Toilette zu bauen oder man sich selbst nicht um die Verwertung der Fäkalien kümmern möchte, sind Firmen wie zum Beispiel „Öklo“ aus Eberswalde eine gute Alternative. Diese Firma hat bereits weitreichende Erfahrung mit dem Aufstellen von Trockentrenntoiletten auf diversen Festivals und führt bereits erfolgreich die Heißkompostierung größerer Mengen Kots durch.

Zusammenfassend sind Komposttoiletten eine gute Alternativlösung zu ressourcenverschwendenden herkömmlichen Wassertoiletten und werden in der Zukunft hoffentlich nicht nur auf dem Stadtgarten in der Friedrichstraße zu finden sein.

Trockentrenntoiletten der Firma “Öklo” beim FLOW Festival in Österreich (flow-festival.at)

 

Hygienisierung in Gemeinschaftsgärten

In Kot und Urin können verschiedene Krankheitserreger sein. Um diese Stoffe dennoch zu nutzen, müssen wir diese reduzieren. Auf einem öffentlich begehbaren Gelände wie der Friedrichstraße 18/19 brauchen wir ein Verfahren, welches möglichst sicher ist, um die Besuchenden und die Ehrenamtlichen nicht zu gefährden. Die Anlagen müssen vor Vandalismus und spielenden Kindern geschützt sein. Es sollte jedoch auch nicht zu teuer sein.

“Urin”, “Pipi” oder auch “kleines Geschäft”

Ca. 1-1,5 L pro Person und Tag

Trotz der im Verhältnis zu den festen Ausscheidungen geringe Keimzahl im Urin (der Harn gesunder Menschen ist bis er in die Harnröhre gelangt steril) muss eine mögliche Kreuzkontamination durch falschen Gebrauch einer Trenntoilette verhindert werden.

Im Gegensatz zum Fäzes wird Urin, auch der von Menschen, bereits in begrenztem Rahmen zur Düngung genutzt. Aus diesem Grund können wir auch bereits langfristig bewährte Verfahren zurückgreifen. Der hohe Stickstoffgehalt des Harns kann dabei nicht nur Quelle der Düngewirkung sein, sondern auch seiner Hygienisierung. Unter stabilen Bedingungen wandelt sich der enthaltene Harnstoff nämlich in Ammoniak um, der wiederum keimtötend wirkt. Für eine sichere Hygienisierung reicht eine Lagerungsdauer von 6 Monaten aus.

Aufgrund der begrenzten Ressourcen die uns zur Verfügung stehen haben wir uns entschlossen Speiseeimer, wie sie auch in der Mensa der TU-Berlin verwendet werden, zu benutzen, da wir diese auch als Auffangbehälter verwenden.

Ehemalige Speiseeimer vor dem Anschluss an die Trockentrenntoilette

 

“Fäzes”, “Kaka” oder auch “großes Geschäft”

Ca. 0,1 L pro Person und Tag

Fäzes dagegen ist deutlich stärker mit Keimen belastet, besteht sogar bis zu einem Drittel aus (zum Teil noch lebender) Darmflora. Aus diesem Grund ist eine weitaus aufwendigere Hygienisierung notwendig, die sich jedoch durch die Vielfalt an Krankheitserregern schwierig gestaltet. Denn Viren sind mit anderen Methoden abzutöten als Bandwurmeier oder Bakterien.

Eine schon begrenzt angewendete Methode ist die Pasteurisierung, also das Erhitzen des Fäzes auf mindestens 70°C. Dies führt zum Tod der meisten Parasiteneier. Um allerdings auch die hartnäckigen Viren und Bakterien abzutöten wird eine Kompostierung von 2-10 Jahren empfohlen. Zur Pasteurisation kann eine einfacher Lehmofen verwendet werden, so wie er z.b. schon im Energieseminar 2015 von Studenten der TU-Berlin konstruiert wurde.

https://youtu.be/49V3vqVBEME (YouTube Link vom Bau)

Alternativ zur Pasteurisation könnte auch eine Vorbehandlung mit Ammoniak (könnte aus dem vorhandenen Urin gewonnen werden) oder Löschkalk vorgenommen werden. Diese Methoden sind bereits aus der Tierhaltung (Güllebehandlung) bekannt, werden bisher allerdings nur zur Eindämmung von Nutztier-Epidemien eingesetzt, da sie teuer, für menschliche Parasiten ineffektiv, oder äußerst Arbeits- und Energieaufwendig sind. Bei ihrer Anwendung müsste eine Kompostierung von 10 Jahren durchgeführt werden.

Verwendung als Dünger

Im Anschluss könnte der gelagerte Urin mit 4-10 Anteilen Wasser gemischt und der Kompost zur Bodenverbesserung verwendet werden. Dazu sollte der Urin nicht auf Keimlinge direkt ausgebracht werden, da er ihr Wachstum hemmt. Urin und Kompost sollten nach der Ausbringung eingearbeitet werden.

Details unter: https://kante.info/download-bereich/fuer-oekoklos/

 

(Dieser Beitrag von Teilnehmenden des tu projects ‘Terra Preta – Kohlenstoffspeicher und Nährstoffkreislauf in der Stadt’ im WiSe 2018/19 geschrieben)

Menü schließen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen